Neblige Wälder, alte Herrenhäuser und ein Heulen aus dem Moor – nicht der Hund von Baskerville, sondern der Werwolf von Blackmoor lauert im Film „Wolfman“. Ich habe ihn gesehen.
England, 1890: Der adlige Schauspieler Lawrence Talbot kehrt nach langer Zeit zurück zu seinem Familienstammsitz, Talbot Hall. Er hat sich schon vor Jahren von seinem Vater entfremdet und muss feststellen, dass sein Bruder tot ist. Zerfleischt von einer Bestie, die in den Wäldern umgeht. Nun sind Vater Talbot, dessen indischer Diener Singh und Gwen, die schöne Verlobte des Bruders die einzigen Einwohner von Talbot Hall. Lawrence will die Bestie, den Brudermörder finden und macht sich in einer Vollmondnacht auf. Als er ein Zigeunerlager im Wald besucht, überfällt die Kreatur das Lager und tötet wahllos Menschen. Das zottige Untier beißt schließlich sogar Lawrence, aber er überlebt. Gwen pflegt ihn wieder gesund. Die Dorfbewohner meiden ihn und reden von seinem Fluch. Talbot weiß, das er beim nächsten Vollmond selbst töten wird …
Eine ansehnliche Riege von Stars hat Regisseur Joe Johnston im Wolfman versammelt: Benicio del Toro als Lawrence Talbot, Anthony Hopkins als sein Vater John, Emily Blunt als Gwen, die Verlobte des Bruders. Und auch Hugo „Agent Smith“ Weaving spielt mit, in der Rolle des monsterjagenden Inspektor Abberline. Genau, Abberline, der erfolglose Jäger von Jack the Ripper, ein augenzwinkernder anachronistischer Cameo. Nicht nur gute Schauspieler, auch tolle Bilder hat der Film: Die nebligen Wälder, das heruntergekommene Herrenhaus und das viktorianische London. Der Werwolf selbst ist ein beeindruckendes Geschöpf, das nicht am Computer, sondern in der Maske hergerichtet wurde. Aber leider fehlt dem Remake vom The Wolf Man aus den Vierzigern das gewisse Etwas. Die Ursprungsstory von Curt Siodmak wurde genug verändert, um (ein wenig) zu überraschen. So sind auch die Zigeuner weniger wichtig, und die Dörfler mob-bereiter als im Original. Der Film als ganzer wirkt mehr wie eine Folge nicht nahtlos verbundener Szenen und die Beziehung der Charaktere untereinander wirkt etwas unmotiviert – was zum Teil auch an Blunts fast schon Nebenrolle liegt.
- Even a man who is pure in heart
and says his prayers by night
may become a wolf when the wolfbane blooms
and the autumn moon is bright.
Trotz der vorhersehbaren Handlung ist der Film ansehnlich. Jede Szene ist ein kleines Fest für die Augen, und Horrorfilmfreunde entdecken zahlreiche Anspielungen auf die Kinowerwölfe vergangener Zeiten. So ist – glaube ich zumindest – der Kutschenunfall auf einem Londoner Platz An American Werewolf in London nachempfunden. Und der Ursprung des lykanthropischen Leidens liegt hoch im Himalya, wie im ersten Wolfmann-Film Werewolf of London von 1935. Der Bär im Zigeunerlager ist auch eine Hommage an das Original. Der Legende nach hatte der dressierte Bär solche Angst vor Ur-Wolf Lon Chaney, dass er sich unter einem Planwagen versteckt hatte. Mit dem CGI-Bären im 2010er Wolfman passiert das natürlich nicht. Einer der Höhepunkte des Films ist die Verwandlung des in einen Stuhl geschnallten Talbot vor den versammelten Londoner Irrenärzten. Allerdings frage ich mich immer, warum Werwölfe so unglaublich scharfe Krallen haben. Weder Menschen noch Wölfe haben Klauen, Wölfe haben höchstens scharfe Zähne. Nun gut, künstlerische Freiheit halt. Abschließend: Wer im Kino Blut und Gedärme verkraften kann, für den ist der Wolfman durchaus sehenswert. Sieben von 10 möglichen silbernen Kugeln. Den Bechdel-Test besteht der Film allerdings nicht.
Nein, ich bin nicht unter die Leichenhändler gegangen oder Wurstwarenfachverkäufer geworden. Ich habe einfach nur einen weiteren Monsterfilm in der hiesigen Top Ten Videothek ausgeliehen.
Heute läuft er in den deutschen Kinos an. Ist er wirklich so gruselig, wie alle sagen?
Und wieder ein neuer Eintrag in der epochalen Reihe Monsterfilmkritiken … obwohl – geht es in The Signal überhaupt um Monster? Der Film beginnt mit einem merkwürdigen Störsignal, das von Fernsehern, Handys und anderen elektronischen Geräten ausgestrahlt wird. Mya kommt gerade von einem Schäferstündchen mit ihrem Geliebten Ben zurück und muss miterleben, wie die Menschen um sie herum (auch ihr eigener Mann) immer seltsamer werden. Paranoia, Schizophrenie und schließlich mörderischer Wahnsinn greifen um sich. Innerhalb weniger Stunden greifen Leute zu Baseballschlägern, Heckenscheren und Akkuschraubern (!!!), um ihren Nächsten das Lebenslicht auszublasen. Der erste Teil (Regie David Bruckner) führt uns in diese mörderische Apokalypse, in der der Mensch des Menschen Wolf ist. Im zweiten Teil (Regie Dan Bush) wird man Zeuge einer blutigen Sylvesterparty, auf der Myas Mann Lewis auftaucht. Im dritten Teil (Jacob Gentry) kommt es zur Flucht von der “Party” zum Terminal 13, an dem Mya auf Ben warten wollte. Alle Teile sind blutig, beklemmend und – brilliant.
Jaha, eine neue Kategorie: Monsterfilmrezension!* Und warum? Um den Lesern etwas Neues zu bieten? Weil ich es kann? Oder weil Jack Brooks: Monster Slayer so hart rockt? Vielleicht. Kommen wir nun zur Rezension.


