Archiv der Kategorie: Seltsamer Alltag
Alberne Straßennamen in Wuppertal und Umgebung (V)
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Befreit den Fußball von den Nationen!
Bei Fußballmeisterschaften wie der gerade ausgetragenen EM spielen Nationen gegeneinander. Die Folgen: Vorurteile verhärten sich, Nationalismus grassiert und sogar der Rassismus erhebt sein grottenhässliches Antlitz. Außerdem sind Nationalstaaten doch sowas von 19tes Jahrhundert. Selbst Ballsportvereine binden sich noch heute im Zeitalter globaler Vernetzung an Städte und andere analoge Orte. Vielleicht sollten UEFA und Konsorten mal was anderes ausprobieren:
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Konzerne
Was in der Formel 1 klappt, müsste doch auch im Fußball gelingen. Adidas gegen Nike, Puma gegen Asics und die Schiedrichter stellt der allessehende Google-Konzern. Natürlich sollten auch Firmen ohne Sportbezug teilnehmen dürfen: Das Spiel der Deutschen Bank gegen Beate Uhse zum Beispiel wäre sicherlich sehr interessant. So groß wäre der Unterschied zur aktuellen Praxis sowieso nicht: Wer heute Hauptsponsor ist, wird dann einfach zum Besitzer.
Warum es dann doch nicht geht
Konzerne statt Nationen ist natürlich dystopischer Cyberpunk in Reinkultur und seit den Achtzigern furchtbar aus der Mode. -
Religionen und andere Ideologien
Salafisten gegen Katholiken, reformierte Juden gegen Scientologen: Diese Matches haben Potential. Um wirklich niemanden zu diskriminieren, sollten auch nichtreligiöse Ideologien wie säkulare Humanisten, Kommunisten und Kopisten antreten dürfen.
Warum es dann doch nicht geht
Sportereignisse sollen Kriege ersetzen, nicht neu entfachen. -
Sexuelle Orientierung
Nach Kinsey gibt es sieben Abstufungen zwischen „komplett heterosexuell“ und „komplett homosexuell“ und „ohne sexuellen Kontakte oder Reaktionen“. Acht mögliche Mannschaften, die gegeneinander antreten könnten. Mögliche Mannschaftsnamen wie Bi-Bomber, Größtenteils Hetero oder Eintracht Lustlos sorgen für den nötigen Ernst, der einem solchen Sport-Großereignis angemessen ist.
Warum es dann doch nicht geht
Spielermangel. Bekanntermaßen gibt es keinen einzigen schwulen Profifußballer. Auch von bisexuellen oder asexuellen Profis hören wir selten. Einzig polyamore Spieler tauchen regelmäßig in den Schlagzeilen auf. -
Berufe
Mit ihrem Beruf können sich wahrscheinlich mehr Menschen identifizieren als mit ihrer Nation. Mannschaften aus Bäckern, Online-Redakteuren, Sex-Workern und vielen mehr steht also nichts im Weg.
Warum es dann doch nicht geht
Wenn etwa Berufsfußballer gegen Banker spielen soll, ist einfach zu wenig Spannung im Spiel. -
Kindheitsspielsachen
Zurück in die Kindheit! Alle, die mit Masters of the Universe groß geworden sind in die eine, Dino-Rider-Fans in die andere Mannschaft. Ein paar gute Spieler und Spielerinnen haben sicher auch mit Barbies oder Holzklötzen gespielt.
Warum es dann doch nicht geht
Der Generationenunterschied. Der Ausgang beim Spiel Big Jim gegen Pokemon ist sehr absehbar.
Andere Alternativen wie Männer gegen Frauen, Veggies gegen Fleischesser oder Star Wars-Fans gegen Star Trek-Fans scheitern schon daran, dass nur zwei Teams gegeneinander antreten könnten – abgesehen von der kleinen Transgender-, Vegan- oder Babylon-5-Minderheit. Auf lange Sicht scheinen die Freunde großer Sportereignisse also auf Nationen angewiesen zu sein.
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Weltschildkrötentag richtig feiern!
8 einfache Tipps
Fröhlichen Welttag der Schildkröten! Um die bedrohten Panzerträger an ihrem Ehrentag angemessen zu würdigen, gibt es acht einfache Tipps.
- Jeden Satz mit “Cowabunga!” einleiten.
- Mal wieder den alten Rollkragenpullover (Turtleneck) rauskramen.
- Eine Schildpattbrille auf dem Rathausvorplatz verbrennen.
- Eine Expedition crowdfunden, die das Geschlecht der Sternenschildkröte Groß A’Tuin feststellen soll.
- Josi die sprechende Schildkröte aus den Fängen des Kleinkünstlers befreien, der sie regelmäßig auf deutsche Comedy-Bühnen zerrt.
- Das städtische Schwimmbad mal für einen Tag den schwimmenden Rentnern überlassen.
- In der Apotheke nach einem Mittel gegen Koro fragen.
- Im nächsten Sumpf nach einer riesigen, uralten Schildkröte suchen und sie um Rat in allen möglichen Lebenslagen fragen. Selbst wenn die meisten Antworten unverständlich und rätselhaft sind: Sie geben ihr das Gefühl, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehört.

Richtig feiern: Schildkröten wissen wie.
Die Schildkröten Sieben (vorne) und Laute Dei (im Hintergrund) gehören zum Illustratorenkollektiv illust.
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Sie wollen unsere Gehirne!
Zur Zeit sind die Politik-Geeks von der Piratenpartei in aller Munde. Bleiche Gestalten aus der Tiefe des Internetzes setzen die Segel blablabla
Soweit die bekannte Mumpitz-Einleitung zum Aufstieg der Piratenpartei. Ihr wahres Ziel jedoch ist weitgehend unbekannt: Erlangen die Piraten die Macht, werden sie alles daran setzen, die Zombiekalypse auszulösen. Die Gründe liegen auf der Hand.
Wie alle anständigen Nerds fürchten Wähler und Mitglieder der P-Partei (oder eher Z-Partei) das Erwachen der hungrigen Toten nicht. Jeder hat seinen eigenen Zombiesurvivalplan und glaubt daran, das Ende der Zivilisation unbeschadet überstehen zu können. Das grausame Gemetzel der Toten an den Lebenden erscheint ihnen als ein großes Abenteuer. Sie werden nicht nur über sich selbst hinauswachsen, sondern Erfüllung, Anerkennung und Liebe finden.
Dieser perfide Plan wird schon klar am Namen der Piraten. Im schwülen Klima der Karibik entstand aus Yoruba, Christentum und anderen Glaubenssystemen Voodoo, die synkretische Religion, die den Zombie-Mythos hervorgebracht hat. Während dieser Epoche blühte das Piratentum auf und Sagen von untoten Piraten wie LeChuck – heute eine Ikone der digitalen Szene – erlebten ihre Hochzeit.
Auch die Symbolfarbe der Piraten ist nicht so harmlos wie erwartet. Orange – oder kress – ist die Farbe der Teufelsfrucht Kürbis. Das alte keltische Totenfest Samhain ist heute als Halloween eng mit der wuchernden Ranke und ihren fleischigen Auswüchsen verbunden.
Natürlich sind die wandelnden Toten altertümlicher Mythen erhitzten Gemütern vergangener Zeiten erwachsen. Die Zombiemacher von heute sind die Wissenschaftler, die Bio-Ingenieure, die Geeks. Um Menschen in Zombies zu verwandeln braucht man High Tech in Gestalt von Nano-Partikeln. Oder Funkwellen, die die Persönlichkeit auslöschen und Menschen auf ihre wilden Urinstinkte zurückfallen lassen. Solche Szenarien schilderten zuletzt solch Nerd-Fabulanten wie Stephen King (in seinem Roman Pulse) oder Joss Whedon (in der Serie Dollhouse). Werke, die nur total vernerdeten Hirnen bekannt sind!
Im Angesicht des wachsenden Erfolges der P-Partei kann uns nur eins retten: Eine Ninja-Partei. Nur die uralten Feinde der Piraten bieten eine Chance – auch wenn es ein Gleichgewicht des Schreckens sein wird. Denn leider ist das Ziel der Ninjas die weltweite Verbreitung des Vampirismus.
Die Illustrationen sind wieder einmal vom fabelhafte Timo, der für seinen Blog of The Living Dead 365 Zombie-Illustrationen geschaffen hat.
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“Ironische” Probleme und Schleim aus dem Weltall
Wie ich an einem Tag zweimal den Blob sah
Am Wochenende habe ich eines der wahrscheinlich postmodernsten Vergnügen in unserem frühen 21. Jahrhundert genossen: Originalfilm und Remake an einem Abend gesehen. Zuerst Der Blob – Schrecken ohne Namen (1958), dann Der Blob (1988). Beide Filme haben die gleiche Handlung: Ein geheimnisvoller Schleim fällt vom Himmel und bedroht eine amerikanische Kleinstadt. Nach und nach absorbiert das Monster die Einwohner, bis ein paar Jugendliche seine Schwachstelle entdecken: Kälte. Was für ein Glück für den Blob, dass er nicht wie Das Ding aus einer anderen Welt in der Antarktis niederging.
Der Sprung in 30 Jahren SF-Monsterfilmgeschichte ist beachtlich. 1958 ist das Monster ein großer roter langsamer Wackelpudding, 1988 eine fiese fleischige tentakulöse Masse, die ihre Opfer grausig-detailliert verdaut. Im Original beschränkt sich die weibliche Hauptrolle auf gelegentliche Aufschreie „Oh, was ist mit dem niedlichen Hündchen passiert!?“, in den toughen Achtzigern erkennt die Heldin sogar die Schwachstelle des Schleimschreckens. Die Fünfziger-Version zeigt keinen einzigen Afroamerikaner, die neuere hat sogar fast zwei tragende Rollen, die von Schwarzen gespielt werden. Der Blob von ’88 schockt richtig, auch potentielle Hauptfiguren fallen dem Schleim zum Opfer. Der 1958er Blob ist eine traurige Schleimkugel, die wohl von Sethelfern ins Bild gerollt wurde. Einzig Hauptdarsteller Steve MacQueen toppt (trotz Teenagerrolle mit 28 Jahren) den Teenie-Rebellen Kevin Dillon mit Rockermatte.
Rot gleich tot
Besonders fallen die politischen Untertöne auf. Im Original bedroht eine rote Masse anständige Amerikaner, absorbiert sie und ersetzt Freiheit durch Absorption. Erst eine generationenübergreifende Zusammenarbeit der eigentlich gar nicht so rebellischen Jugendlichen mit Schuldirektor und Kriegsveteranen-Polizisten kann die Bestie aufhalten. Das Alien war hier, wie so oft im SF der Fünfziger, ein Kommi – wenn nicht sogar die Idee des Kommunismus persönlich. Dagegen entpuppt sich der Blob in der Perestroika-Phase als größenwahnsinniges Biowaffenprojekt, mit dem das Land of the Free den endgültigen Rüstungsvorsprung gegenüber den Sowjets erringen will. Die Zeitenwende innerhalb des kalten Kriegs wird treffend illustriert. Ende der Achtziger war das sieche Arbeiterreich zumindest in Hollywood immer seltener das Reich des Bösen. Beide Filme zeigen den Wandel von den kommunismusparanoiden Fünfzigern in die staatsmisstrauischen Achtziger.
Dachte ich. Dann griff ich zum Lexikon des Science-Fiction-Films von Reclam und lese im Artikel von Andreas Friedrich über den Original-Blob vom „ironische Grundprinzip des Films“. Und bin geschockt, weit mehr als der rote Kommi-Schleim das zustande gebracht hat. Habe ich die Ironie übersehen? Das wäre doch peinlich, schließlich verstehen nur dumme Menschen keine Ironie. Oder hält der Reclam-Autor die billige Machart des Low-Budget-Films für Ironie?
Schlecht oder ironisch? Beides?
Dabei schien mir klar, dass die Marmeladenmasse des Originalblobs mit wenig Geld und viel Enthusiasmus zu erklären ist. Ohne Knete muss halt ein Wackelpudding als Monster herhalten. Dafür sprechen auch Katastrophenszenen, in denen Feuerwehrleute und Polizisten vor schwarzem Hintergrund die Handlung dialogisch erzählen: „Es hat das ganze Gebäude umschlungen! Und jetzt bricht auch noch ein Feuer aus!“ „Wir können nicht nah rangehen, es ist zu heiß!“ Auch die Verbindung der Filmemacher zum antikommunistisch-evangelikalen Netzwerk The Family spricht eine klare Sprache. Passt doch, dass in meiner Vorstellung der Fünfziger Ironie eigentlich kaum vorkommt.
Die Zuschreibung von Trash als Ironie ist dagegen ein typisches Rezeptionsphänomen seit den Achtzigern. Ganz nach dem Gedanken: „Der Film ist so schlecht aber Tausende haben ihn sich angesehen. Den kann keiner ernst genommen haben, also ist er auch nicht ernst gemeint.“ Die Wahrnehmung ändert den Gehalt des Films. Monsterfilmfans sehen den Blob ganz anders als Feuilletonisten. Man kann sich in der Tat kaum vorstellen, dass ein Film wie Der Blob – Schrecken ohne Namen auch ohne den dämlichen deutschen Untertitel ernst gemeint sein soll. Viele Filme vergangener Jahrzehnte kann ein abgeklärter Cineast nur noch aus filmhistorischen Interesse oder „ironisch“ sehen. Mittlerweile ist die ironische Grundhaltung fast die Standardsichtweise. Die Vorstellung, den Blob ernst zu nehmen ist so naiv, dass sie nicht einmal als Möglichkeit in Betracht gezogen wird. Treibt man diese Entwicklung auf die Spitze, werden wohl künftige Generationen den „Triumph des Willens“ für ironisch halten: Wie kann man einen so übertriebenen Film mit total unrealistischer Ästhetik und dermaßen grotesken Aussagen ernst nehmen?
Tl;dr
Wir leben in einem Zeitalter der Ironie, das es zunehmend schwieriger macht, Bullshit auch als solchen zu erkennen. Gemerkt hab ich das, als ich den Blob-Film und sein Remake gesehen habe.
Nebenbemerkung
Der Blob – Schrecken ohne Namen: 1958. Der Blob: 1988. Aufgrund numerologischer Mystik und allgemeinem Nerdtum fordere ich ein Remake 2018.
Bonusmaterial
Der Blob-Trailer aus den wilden Fünfzigern auf deutsch (in mieser Qualität)
Der Blob-Trailer aus den hart rockenden Achtzigern (“Terror has no shape …”)
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