Grüne Aliens erkennen: 6 Tipps

Was tun, wenn die Grünen kommen

E.T. in grün

Lizenz: (CC BY 2.0) von Flickr-User ma2tt.m

Zur Zeit tobt der Yankee-Captain John Carter mit Horden von Tharks auf den Kinoleinwänden über die Steppen des Mars. Dabei sind nicht alle grünen Außerirdischen gefährliche Brutalmonster mit Hauern und vier Armen. Angemessene Reaktionen auf landende Aliens sind aber das A und O der interplanetaren Umgangsformen. Deswegen sechs Tipps zur Identifikation von günen Aliens.

 

 

 

  1. Weltall-Orks
    Woher: Weltall. Genauer gesagt aus dem kriegslustigen Warhammer-40.000-Universum.
    Merkmale: Über zwei Meter groß, muskulös, kahl. Sie besitzen Hauer und sprechen furchtbarstes Pidgin-Englisch.
    Reaktionsempfehlung:Schnell weglaufen. Die Orks aus dem Warhammer-40.000-Franchise halten Krieg für ein unterhaltsames Hobby. Als unglaublich zähe und regenerierende Organismen können sie die Zerbrechlichkeit von Menschen nicht einmal verstehen.
    Wissenswertes: Orks pflanzen sich durch Sporung fort. Wenn sie einmal gelandet sind, wachsen in Kellern und unter Steinen die kosmischen Grünhäute heran, bis sie groß genug sind um zu plündern und zu brandschatzen. So hat Tolkien sich das nicht vorgestellt.
    Orks im Lexikanum
  2. Orioner
    Woher: Vom Orion. Zumindest bei Star Trek.
    Merkmale: Frauen sind grün, aber verdammt sexy. Männer sind groß, stark, kahlköpfig und tragen oft Gesichtspearcings.
    Reaktionsempfehlung: Die Pheromone der Frauen wirken auf alle Humanoiden (außer Vulkaniern) extrem betörend. Männer, denen etwas an Ihrer Partnerschaft oder Ihrem freien Willen liegt, sollten Orionerinnen meiden. Frauen haben nichts zu befürchten: sie kriegen bloß Kopfschmerzen von diesen Ausdünstungen. Männliche Orioner sind in dieser Hinsicht harmlos, aber gewalttätig.
    Orioner im Memory Alpha
  3. Gammorreaner
    Woher: Gamorr. Liegt in der Star-Wars-Galaxis.
    Merkmale: Der durchschnittliche Gammorreaner ist etwas kleiner als ein durchschnittlicher Mensch und sehr gedrungen. Gut erkennbar sind die Hörner, Hauer und eine schweineartige Schnauze. Die einzigen Laute von Gamorreanern sind Grunzen und Quieken.
    Reaktionsempfehlung: Gammorreaner sind ein brutaler Haufen. Halten Sie sich von ihnen fern. Falls Sie jedoch Feuerwaffen besitzen, sind Sie im Vorteil. Gammorreaner halten die Verwendung von Schusswaffen für feige und greifen nur mit Nahkampfwaffen an.
    Wissenswertes: Gammorreaner sind nur gegenüber Arbeitgebern loyal, die sie auch im Kampf besiegt haben. Falls Sie etwa gammorreanische Handwerker anheuern, vertrauen Sie ihnen erst, wenn Sie den Vorarbeiter verprügelt haben.
    Gammorreaner in der Jedipedia
  4. Ma’aleca’andraner
    Woher: Der Mars des DC-Universums.
    Merkmale: Menschengroß, keine Haare, rötliche Augen. Da Ma’aleca’andraner ihre Gestalt verändern können, sind sie aber meist nicht zu erkennen.
    Reaktionsempfehlung: Zeigen Sie Respekt gegenüber einem der letzten Überlebenden vom Mars. Unter anderem weil er oder sie superstark, unverwundbar und telepathisch begabt ist. Wahrscheinlich haben Sie es mit J’onn J’onzz von der Justice League zu tun. Falls Sie kein Superverbrecher sind, haben Sie auch nichts vom Martian Manhunter zu fürchten. Falls doch: Versuchen Sie es mit Feuer. Das ist seine einzige Schwachstelle.
    Ma’aleca’andranians im DC-Wiki
  5. Amphibiosianer
    Woher: Amphibios 9. Laut Futurama.
    Merkmale: Klein, weich, von zarter Färbung. Erschrickt sich wahrscheinlich beim Erstkontakt.
    Reaktionsempfehlung: Seien Sie nett zu dem wabbligen Sumpfwesen. Fassen Sie ihn aber besser nicht an, Sie könnten ihn versehentlich schwängern.
    Amphibiosianer in der Infosphere
  6. Skrull
    Woher: Vom Planeten Skrullos. Zumindest im Comic-Universum, das uns auch den Weltraum-Wikinger Thor gebracht hat: Marvel.
    Merkmale: Sehr spitze Ohren, spitzer Haaransatz, ein Kinn wie ein Furchenwal und Menschengröße. Obacht, Skrulls sind Gestaltwandler. Böse Gestaltwandler.
    Reaktionsempfehlung: Skrulls sind hinterhältig, gemein und wahrscheinlich auf Eroberung aus. Reden Sie nicht, löschen Sie den Widerling aus. Am besten rufen Sie dazu Captain America um Hilfe
    Skrulls im Marvel-Wiki

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“Ironische” Probleme und Schleim aus dem Weltall

Wie ich an einem Tag zweimal den Blob sah

Ein Blob aus Kirschmarmelade auf der USA-Karte

Er bedroht die Freiheit!

Am Wochenende habe ich eines der wahrscheinlich postmodernsten Vergnügen in unserem frühen 21. Jahrhundert genossen: Originalfilm und Remake an einem Abend gesehen. Zuerst Der Blob – Schrecken ohne Namen (1958), dann Der Blob (1988). Beide Filme haben die gleiche Handlung: Ein geheimnisvoller Schleim fällt vom Himmel und bedroht eine amerikanische Kleinstadt. Nach und nach absorbiert das Monster die Einwohner, bis ein paar Jugendliche seine Schwachstelle entdecken: Kälte. Was für ein Glück für den Blob, dass er nicht wie Das Ding aus einer anderen Welt in der Antarktis niederging.

Der Sprung in 30 Jahren SF-Monsterfilmgeschichte ist beachtlich. 1958 ist das Monster ein großer roter langsamer Wackelpudding, 1988 eine fiese fleischige tentakulöse Masse, die ihre Opfer grausig-detailliert verdaut. Im Original beschränkt sich die weibliche Hauptrolle auf gelegentliche Aufschreie „Oh, was ist mit dem niedlichen Hündchen passiert!?“, in den toughen Achtzigern erkennt die Heldin sogar die Schwachstelle des Schleimschreckens. Die Fünfziger-Version zeigt keinen einzigen Afroamerikaner, die neuere hat sogar fast zwei tragende Rollen, die von Schwarzen gespielt werden. Der Blob von ’88 schockt richtig, auch potentielle Hauptfiguren fallen dem Schleim zum Opfer. Der 1958er Blob ist eine traurige Schleimkugel, die wohl von Sethelfern ins Bild gerollt wurde. Einzig Hauptdarsteller Steve MacQueen toppt (trotz Teenagerrolle mit 28 Jahren) den Teenie-Rebellen Kevin Dillon mit Rockermatte.

Rot gleich tot

Besonders fallen die politischen Untertöne auf. Im Original bedroht eine rote Masse anständige Amerikaner, absorbiert sie und ersetzt Freiheit durch Absorption. Erst eine generationenübergreifende Zusammenarbeit der eigentlich gar nicht so rebellischen Jugendlichen mit Schuldirektor und Kriegsveteranen-Polizisten kann die Bestie aufhalten. Das Alien war hier, wie so oft im SF der Fünfziger, ein Kommi – wenn nicht sogar die Idee des Kommunismus persönlich. Dagegen entpuppt sich der Blob in der Perestroika-Phase als größenwahnsinniges Biowaffenprojekt, mit dem das Land of the Free den endgültigen Rüstungsvorsprung gegenüber den Sowjets erringen will. Die Zeitenwende innerhalb des kalten Kriegs wird treffend illustriert. Ende der Achtziger war das sieche Arbeiterreich zumindest in Hollywood immer seltener das Reich des Bösen. Beide Filme zeigen den Wandel von den kommunismusparanoiden Fünfzigern in die staatsmisstrauischen Achtziger.

Dachte ich. Dann griff ich zum Lexikon des Science-Fiction-Films von Reclam und lese im Artikel von Andreas Friedrich über den Original-Blob vom „ironische Grundprinzip des Films“. Und bin geschockt, weit mehr als der rote Kommi-Schleim das zustande gebracht hat. Habe ich die Ironie übersehen? Das wäre doch peinlich, schließlich verstehen nur dumme Menschen keine Ironie. Oder hält der Reclam-Autor die billige Machart des Low-Budget-Films für Ironie?

 Schlecht oder ironisch? Beides?

Dabei schien mir klar, dass die Marmeladenmasse des Originalblobs mit wenig Geld und viel Enthusiasmus zu erklären ist. Ohne Knete muss halt ein Wackelpudding als Monster herhalten. Dafür sprechen auch Katastrophenszenen, in denen Feuerwehrleute und Polizisten vor schwarzem Hintergrund die Handlung dialogisch erzählen: „Es hat das ganze Gebäude umschlungen! Und jetzt bricht auch noch ein Feuer aus!“ „Wir können nicht nah rangehen, es ist zu heiß!“ Auch die Verbindung der Filmemacher zum antikommunistisch-evangelikalen Netzwerk The Family spricht eine klare Sprache. Passt doch, dass in meiner Vorstellung der Fünfziger Ironie eigentlich kaum vorkommt.

Die Zuschreibung von Trash als Ironie ist dagegen ein typisches Rezeptionsphänomen seit den Achtzigern. Ganz nach dem Gedanken: „Der Film ist so schlecht aber Tausende haben ihn sich angesehen. Den kann keiner ernst genommen haben, also ist er auch nicht ernst gemeint.“ Die Wahrnehmung ändert den Gehalt des Films. Monsterfilmfans sehen den Blob ganz anders als Feuilletonisten. Man kann sich in der Tat kaum vorstellen, dass ein Film wie Der Blob – Schrecken ohne Namen auch ohne den dämlichen deutschen Untertitel ernst gemeint sein soll. Viele Filme vergangener Jahrzehnte kann ein abgeklärter Cineast nur noch aus filmhistorischen Interesse oder „ironisch“ sehen. Mittlerweile ist die ironische Grundhaltung fast die Standardsichtweise. Die Vorstellung, den Blob ernst zu nehmen ist so naiv, dass sie nicht einmal als Möglichkeit in Betracht gezogen wird. Treibt man diese Entwicklung auf die Spitze, werden wohl künftige Generationen den „Triumph des Willens“ für ironisch halten: Wie kann man einen so übertriebenen Film mit total unrealistischer Ästhetik und dermaßen grotesken Aussagen ernst nehmen?

Tl;dr

Wir leben in einem Zeitalter der Ironie, das es zunehmend schwieriger macht, Bullshit auch als solchen zu erkennen. Gemerkt hab ich das, als ich den Blob-Film und sein Remake gesehen habe.

Nebenbemerkung

Der Blob – Schrecken ohne Namen: 1958. Der Blob: 1988. Aufgrund numerologischer Mystik und allgemeinem Nerdtum fordere ich ein Remake 2018.

Bonusmaterial

Der Blob-Trailer aus den wilden Fünfzigern auf deutsch (in mieser Qualität)

Der Blob-Trailer aus den hart rockenden Achtzigern (“Terror has no shape …”)


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Ich hab Worte: Vidüre

Vidüre, die Vid|üre (Subs.): Beschreibt sowohl die Betrachtung eines Videos als auch den Gegenstand der Betrachtung selbst. “Video” bezieht sich hierbei auf jede Art von Bewegtbild, vom Internetvideo bis zum Leinwandfilm. Analog zu “Lektüre”.

“Alter, schon Attack The Block gesehen?” “Nein Digger, noch nicht.” “Zieh ihn dir rein, Mann. Pflichtvidüre.”

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