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Neues vom Andersrum-Land

Eigentlich wollte ich diesen Blog nur benutzen, um Werbung für meine großartigen Kurzgeschichten und von mir verfassten Rollenspielkram zu machen. Aber besondere Umstände verlangen nun einmal nach besonderen Maßnahmen und jetzt bin auch ich ein Privatblogger – über meine Reisen durch Down Under, dem Andersrum-Land (wegen Kopf nach unten und so…).
Ich bin jetzt seit zwei Tagen in Sydney (siehe meine neue Kopfzeile), habe allerdings auch noch nicht viel gesehen. In meinem verzweifelten Versuch, den Jetlag abzuwehren, bin ich ein wenig in zombiehafter Trance durch die Innenstadt gewankt und habe den Hafen gesehen und das Marinemuseum besucht (ein sehr verzweifelter Versuch mich vom Einschlafen abzuhalten).

Mein erster Eindruck: Sydney ist voll mit hektischen – aber sehr höflichen – Menschen. Mein Hostel (Billabong Gardens) ist angemessen, aber verirre mich andauernd auf der Suche nach ihm. Vielleicht ziehe ich demnächst um.

Zum Abschluss ein pittoreskes Bild von einem U-Bahn-Schild mit Möwen. Das scheint hier nicht ungewöhnlich zu sein, ich musste in einem Cafe Tauben von meinem Tisch scheuchen.

Möwen, sitzend auf einem U-Bahn-Schild

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Alice, Alice, who the fuck is…

Alice Springs. Eine Kleinstadt im Nirgendwo, durchkreuzt vom Todd River, der nur alle paar Jahre Wasser führt. In Ermangelung eines konkreten Wortes für ein solches Landschaftsmerkmal (auf den Karten stand nur „Todd River, usually dry“) erfand Liana die Wortschöpfung Dryver [dɹɪvə]. Eine passende Lösung, die sicherlich in absehbarer Zeit in ganz Australien verbreitet sein wird und die ganzen usually dry “Rivers” und “Creeks” ablösen wird.

In „The Alice“ fanden wir Unterkunft in einem YHA-Hostel, wo wir endlich auch Betten, aber auch jede Menge Backpacker vorfanden. Nach der Abgeschiedenheit der Campingplätze und nur vereinzelten Zusammentreffen mit Australiern waren wir die zahlreichen deutschen Postabiturienten, die sich in den Hostels Australiens rumtreiben nicht mehr gewohnt. Aber egal, Hauptsache Matratzen, die man nicht jeden Abend aufblasen musste und nicht mehr täglich um sieben Uhr morgens aufwachen, weil die Sonne das Zelt gnadenlos aufheizt.

Nach zwei Tagen Relaxen (und einem kurzen Besuch bei den Royal Flying Doctors), waren wir dabei unsere lange staubige Wüstenreise fortzusetzen. Als wir bemerkten, dass ruchlose Schurken den Ford Falcon aufgebrochen hatten.

Der Millenium, äh, Quatsch, der Harrison, nee, der Ford Falcon

Das kleine Seitenfenster hinten links war zerschmettert und das Gefährt durchwühlt worden. Ein kurzer Moment der Panik. Was war im Auto? Hatte ich vorher meine Habseligkeiten ins Hostel geholt? Kurze Checkliste: Waren meine Wanderschuhe noch da? Ja. Meine Postkarten? Ja. Lianas und Helges CDs (welcher Dieb konnte schon einer umfangreichen Ärzte-Kompilation widerstehen)? Ja. Hmm, was war noch im Auto gewesen? Mein Lonely Planet, meine Backpackerbibel! Aber da lag er noch. Nur … was waren das für Flecken? Hatten die Einbrecher eine kleine Kaffeepause gemacht und versehentlich etwas davon über meinen Lonely Planet verschüttet? Litten sie an chronischem Nasenbluten? Oder an flüssigem Stuhl? Vorsichtig schnüffelte ich am Einband. Kein spezifischer Geruch. Sollte ich CSI Alice Springs um einen DNS-Abgleich bitten? Aber das erschien uns wie eine überflüssige Maßnahme. Schließlich war nichts abhanden gekommen.

Verdächtiger Nummer 1: Ein flüchtendes Känguruh

Mit einem milden Fluch auf den Lippen verließen wir „The Alice“ – um von einem warmen Wüstenregen überrascht zu werden. Mit einem zerschmetterten Autofenster. Nachdem wir seit zwei Wochen keinen Regen mehr erlebt hatten. Schlechtes Karma? Wer weiß. Aber der Regen war schnell vobei (und noch schneller getrocknet). Jetzt ging es erstmal Richtung Darwin, zur Stadt der tätowierten Kühlschrankbewohner.

Verdächtiger Nummer 2: Ein lauerndes Känguruh

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Bates Hostel?

Nach The Alice landeten wir gleich in einer wahren Perle des Outbacks: Barrow Creek. Die Dämmerung brach heran und auf der Suche nach Unterkunft hielten wir hier.

Vor uns erhob sich eine heruntergekommene Tankstelle aus dem Outback. Die einzigen Geräusche waren das feindselige Bellen eines Hundes aus der Ferne und das rostige Knarren einer Windmühle. Der tätowierte, bärtige Glatzkopf an der Theke schickte uns hinter das Haus, wo wir unsere Zelte im Innenhof eines weiteren Gebäudes aufstellen konnten. Anscheinend hatte der Wirt – oder wer auch immer in dieser Ödnis auf solche Einfälle kam – eine Art Gästehaus errichtet. Aber seit der Fertigstellung vor acht Jahren wurde es nicht eingerichtet und verwandelte sich langsam in eine Ruine. Vor dem Zeltaufbau wollten wir noch einen Blick auf die zahlreichen Autowracks hinter unserem neuen Domizil werfen. Mit etwas Glück war vielleicht ein Ford Falcon mit intaktem Fenster darunter, den wir ausschlachten konnten (siehe unten). Der Wirt hatte sein OK gegeben und wir gingen auf Wracksuche.

Direkt das erste Auto war ein Ford Falcon mit total zerschmetterter Front, der auf einem Anhänger vor sich hinrostete. Wir fragten uns, was aus den Besitzern geworden war. Helge wähnte sie angesichts der Schäden am Auto nicht mehr unter den Lebenden. Und da wir beim Öffnen der Hintertür auf seit Jahren angegammelte Landkarten und Taschen stießen, hatte Helge wohl recht. Das mulmige Gefühl, das sich jetzt einstellte, ignorierten wir vorerst. Während meine Travelmates versuchten, die Scheibe aus der Tür zu stemmen, blickte ich mich ein wenig um. Nicht weit weg vom Wrack hatte jemand ein Kreuz auf einem kleinen Erdhügel aufgestellt. Wir interpretierten das recht schnell und einhellig als Zeichen von Tierliebe („Da hat sicher bloss jemand seinen Hund begraben“) und ich ließ die beiden alleine um schon einmal mein Zelt aufzubauen.

Später habe ich einem Australier davon erzählt. In diesem Moment, meinte er, wäre er an meiner Stelle abgehauen. Er hatte Wolf Creek gesehen, und erwähnte, dass nicht weit von Barrow Creek 2001 zu einem Vorfall kam, der diesen Film mitinspirierte. Ich weiß schon, warum ich den nicht gesehen habe.

Zwei Stunden später hatten wir in undurchdringlicher Dunkelheit und auf ebenso undurchdringlichem Boden unsere Zelte errichtet, und beschlossen auf ein Bier in der Bar einzukehren (so schlimm konnte es doch nicht sein). Mit dem, was jetzt kam, hatte keiner von uns gerechnet.

Der Wirt, seine Frau und ein Trucker saßen auf der Veranda und sahen sich auf einem tragbaren DVD-Player Die Hard 4 an. Mit „Grab a seat and sit down.“ waren wir eingeladen. So nahmen wir mitten in der Ödnis an einen Filmeabend mit Outbackbewohnern und Truckern teil, von denen sich zum Glück keiner als Axtmörder herausstellten. Nach Die Hard kramte der Wirt in seiner DVD-Sammlung, so dass wir auch noch in den Genuss von Hitman kamen. Nur Wolf Creek hatte er nicht da.

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Kürbisfarm&Ameisenalarm

Das Farmwerk ist getan, ich bin wieder unterwegs. Mein alte Reisekollege Helge hatte eine Biofarm im Nirgendwo ausgemacht, die noch Farmhands brauchte. Tatsächlich wartete dort jede Menge Arbeit auf uns. Nach dem Ernten diverser Obst- und Gemüsesorten (als da wären: sauschwere Melonen, Kürbisse inmitten nesselbewehrter Ranken und Zitronen in Bäumen voller grüner, bissiger Ameisen), dem Packen großer, kleiner und mittelgroßer Kürbisse in unzählige Schachteln, dem Düngen von Bäumen und dem Jäten von Unkraut bin ich recht froh, zuerst einmal mit Farmarbeit abgeschlossen zu haben.

Ein Waran im Litchfield Park. Putzig.

DIe Arbeitskollegen und die Chefs waren größtenteils in Ordnung, und wenn nicht, dann hatten sie wenigstens Unterhaltungspotential. So hatte ich das Vergnügen, Mandy&Sandy, die dümmsten Sächsinnen der Welt zu treffen. Herrliche Gespräche entstanden in den Pausen. Sandy: „Ihr wart nicht beim Bund? Wolltet ihr euch nicht abhärten?“ oder Helge zu Sandy: „Wann waren denn bei euch die letzten Landtagswahlen?” Antwort Sandy: „Weiß ich doch nicht. Bin ich Politologiestudentin?“ oder der folgende Dialog: „Wir Ossis sind nicht so prüde wie ihr Wessis!“ „Wieso, was macht ihr denn für Schweinereien?“ Sandy errötet: „ Ähm, auch mal aus der selben Tasse trinken…“ Während all dieser Gespräche saß Mandy stumm daneben und las ein Buch. Immerhin. Dafür konnte sie aber kein Englisch („The peanut butter is all!“ sagte sie, und meinte tatsächlich, damit ausgedrückt zu haben, das Erdnussbutterglas wäre leer).

Außerdem war da noch John, der cholerischste Farmer von ganz Australien. Unvergessen werden uns seine kurzen, knackigen Ansprachen auf dem Feld sein („Don’t walk on the fucking plants!“ „Fucking listen for one minute!“ „Don’t fucking stand!“). Besonders Helges Disput mit ihm über richtiges Kürbiswerfen – nach dem Helge dann auch den Hof verlassen hat – war ein spezielles Erlebnis. Aber es war nicht alles schlecht, und es gab auch nette Leute dort.

Wenige Tage später traf ich im Marktflecken Katherine Helge wieder, und wir begannen unsere Reise in den Westen. In Western Australia angekommen haben wir in einem kleinen Nest namens Wyndham gecampt. Allerdings müssen wir dort wohl auf einem alten Aborigine-Friedhof geparkt haben, anders kann ich mir den Fluch nicht erklären: Mitten in der Nacht wurde ich von schmerzhaftem Jucken geweckt. Tausende Ameisen hatten den Weg in mein Zelt gefunden. Ich ging duschen, um mich der fiesen Sechsbeiner auf meiner Haut zu entledigen. Nach meiner Rückkehr hatten die Ameisen zu meiner Enttäuschung nicht spontan das Zelt verlassen. Verdammt. Ich schlief also unter dem berückenden australischen Sternenhimmel, wo Moskitos etwa drei Liter meines Blutes verzehrten. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass die Ameisen nicht nur mein Zelt okkupiert, sondern auch die Kiste mit den Vorräten entdeckt hatten. Dass an dem selben Tag Helges Ford Falcon den Geist aufgab, und sich seitdem nur noch starten lässt, wenn man mit einem Schraubenzieher im Motorraum rumfriemelt und die richtigen Drähte kurzschließt, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen.

Nichts wie raus aus Wyndham!

Aber trotz des verfluchten Autos und der Ameiseninvasion haben wir es jetzt nach Broome geschafft. Hier ist die erste Küste, an der ich in Australien schwimmen konnte (warm genug und keine tödlichen Würfelquallen) und einem großartigem Sandstrand. Wir werden hier noch ein paar Tage auf ein oder zwei Mitfahrer warten, und dann nach Perth aufbrechen.

On the road again

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Jack Brooks: Monster Slayer

Jaha, eine neue Kategorie: Monsterfilmrezension!* Und warum? Um den Lesern etwas Neues zu bieten? Weil ich es kann? Oder weil Jack Brooks: Monster Slayer so hart rockt? Vielleicht. Kommen wir nun zur Rezension.

Wer ist dieser Jack Brooks eigentlich? Mr. Brooks ist ein Klempner. Als er noch ein Kind war wurde seine Familie bei einem Campingausflug von einem Monster gefressen. Ein trauriges Schicksal. Kein Wunder also, dass der erwachsene Jack (Trevor Matthews) seine Aggressionen nur mühsam in den Griff kriegt. Deswegen hat er Probleme mit seiner nervigen Freundin, mit dem Chemie-Kurs, den er in der Abendschule besucht und mit seinem Psychiater, der natürlich Mr. Silverstein heißt. Während wir Jack beim Versagen im Alltag beobachten, sehen wir gleichzeitig, wie sein Chemie-Professor Crowley (sic), gespielt von Robert Englund (sic!), etwas in seinem Garten ausgräbt: Eine Kiste, die nicht nur Menschenknochen, sondern auch ein pechschwarzes Herz enthält. Ein immer noch schlagendes Herz…

Der Film bietet neben dem Alltag eines aufbrausenden Klempners und einem amokkotzenden Robert Englund auch – passend zum Titel – jede Menge Monstrositäten: einen japanischen Tentakeldämon, mehrere fleischfressende Mutanten, einem Waldtroll und sogar einen afrikanischen Zyklopen – Booya! Übrigens alle Kreaturen sind handgemacht, keine einzige eine schnöde Computeranimation. Und auch wenn es ein wenig dauert, bis es zu blutigen Gewaltexzessen und massivem Monsterschlachten kommt, bietet der Film doch jede Menge Spaß.

“So… He ate your hand? How did you dig the hole?” “God dam it, it wasn’t easy!”

Mein Fazit: Sieben von Zehn blutigen, herausgerissenen Herzen – und eine angebissene Niere.

*Ja, da muss ich mir noch einen ganz toll lustigen Wortspieltitel einfallen lassen.

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The Signal

Und wieder ein neuer Eintrag in der epochalen Reihe Monsterfilmkritiken … obwohl – geht es in The Signal überhaupt um Monster? Der Film beginnt mit einem merkwürdigen Störsignal, das von Fernsehern, Handys und anderen elektronischen Geräten ausgestrahlt wird. Mya kommt gerade von einem Schäferstündchen mit ihrem Geliebten Ben zurück und muss miterleben, wie die Menschen um sie herum (auch ihr eigener Mann) immer seltsamer werden. Paranoia, Schizophrenie und schließlich mörderischer Wahnsinn greifen um sich. Innerhalb weniger Stunden greifen Leute zu Baseballschlägern, Heckenscheren und Akkuschraubern (!!!), um ihren Nächsten das Lebenslicht auszublasen. Der erste Teil (Regie David Bruckner) führt uns in diese mörderische Apokalypse, in der der Mensch des Menschen Wolf ist. Im zweiten Teil (Regie Dan Bush) wird man Zeuge einer blutigen Sylvesterparty, auf der Myas Mann Lewis auftaucht. Im dritten Teil (Jacob Gentry) kommt es zur Flucht von der “Party”  zum Terminal 13, an dem Mya auf Ben warten wollte. Alle Teile sind blutig, beklemmend und – brilliant.

Im Gegensatz zum klassischen Zombiefilm, bei dem der Überlebenskampf normaler Menschen gegen die unzähligen Untoten thematisiert wird, wird bei The Signal immer unklarer, wer einer von “ihnen” ist und wer nicht. In einigen Szenen sieht man die Halluzinationen der “Crazies” als normale Teile der Filmhandlung, so dass die Paranoia auch den Zuschauer packt. Wer ist normal? Ist wer normal? Zu packender Story und guter Regie kommen noch (allesamt unbekannte) Schauspieler, die ihre Rollen verdammt glaubwürdig rüberbringen.

The Signal hat alles, was einen guten Horrorfilm ausmacht – und dann noch das Quentchen mehr, das den Schrecken direkt ins Kleinhirn transferiert. Und auch, wenn die Grundidee aus Stephen KingsPuls” (Originaltitel “Cell”) bekannt vorkommt, machen Bruckner, Bush und Gentry mehr aus der Story als der Horrorkönig. Wo King die allseits bekannte Zombie-Survival-Story (eine Notgemeinschaft gegen die Zombies/Phonecrazies gegen die anderen Überlebenden) schildert, haut The Signal dem Zuschauer noch einmal die volle Kelle Paranoia um die Ohren: Wo fängt der Wahnsinn an? Was kommt nach dem Wahnsinn? Und: Kann Enthauptung noch Selbstverteidigung sein?

Apropos Enthauptung, der Film ist stellenweise extrem brutal und blutig, so dass ihn Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit Herzschwäche … ähm … niemand mit einer Abneigung gegen literweise Kunstblut und abgetrennte Gliedmaßen sehen sollte. Stellenweise merkt man The Signal auch das schmale Budget an, etwa wenn Außenszenen immer nur in kleinen Straßen spielen oder komplett in Halbtotale gefilmt sind. Abgesperrte Straßenzüge wie bei 28 Days Later wären aber wahrscheinlich auch zu viel erwartet. Und da ist noch der Anfang! The Signal beginnt mit zwei Minuten aus dem Kurzfilm The Hap Hapgood Story von Jacob Gentry. Das ganze sieht aus wie ein billiger Siebziger-Jahre-Slasher und ist extrem irritierend. Fast hätte es mich davon abgehalten, den Film zu sehen. Meine Empfehlung: Fast Forward, und durch!

Fazit: Nur wenige Mankos an einer ansonsten fast makelosen kleinen blutigen Horrorperle, 9 von 10 bluttriefenden Mordwerkzeugen.

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Paranormal Activity

Heute läuft er in den deutschen Kinos an. Ist er wirklich so gruselig, wie alle sagen?

Micah und Katie sind ein junges Ehepaar, das gerade erst in sein schönes neues Haus eingezogen ist. Allerdings hört Katie seit einiger Zeit nachts unheimliche Geräusche. Schritte auf der Treppe, Klopfen an den Wänden und ein Atmen in der Dunkelheit. Micah, ganz der Pragmatiker, stellt eine Kamera auf, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dabei hat ein Parapsychologe die beiden davor gewarnt, jeden Kontakt mit dem nächtlichen Phänomen aufzunehmen. Je mehr Aufmerksamkeit sie dem unheimlichen Besuch widmen, desto stärker wird er. Es ist, als ob sich eine unsichtbare Schlinge um die beiden legt …

Regisseur Oren Peli legt mit seinem Erstling Beachtliches vor. Ein Low-Budget-Horror, der mit einfachen, aber subtilen Mitteln Schrecken erzeugt. Und zum Beginn funktioniert das auch recht gut. Bei der Inszenierung schaut der Kinobesucher die ganze Zeit durch Micahs Kamera, Distanz entsteht kaum. Der Zuschauer ist dabei, wenn Katie Featherston und Micah Sloat heimgesucht werden. Die Spannungsspirale steigert sich stetig.

Leider ist der Bogen irgendwann überspannt, ohne dass der Film zu einem Höhepunkt kommt. Da wäre ein früheres Ende besser gewesen. Außerdem hat der Film das typische Horrorgenreproblem: Warum hauen die beiden nicht einfach ab aus dem Haus? Zwar warnt der Geisterexperte, dass kein Flüchten vor dem Wesen möglich ist. Aber das wirkt mehr wie eine lahme Entschuldigung.

Die Geschichte vom Pärchen und dem Poltergeist spannt auf die Folter – vor allem wegen der beiden überzeugenden Darsteller. Doch es passiert einfach zu wenig. Aber Paranormal Activity kann sich trotz seines 20.000 Dollar-Budget mit großen Hollywood-Produktionen messen und kriegt 6 von 10 möglichen brennenden Ouijabrettern.

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I sell the dead

Nein, ich bin nicht unter die Leichenhändler gegangen oder Wurstwarenfachverkäufer geworden. Ich habe einfach nur einen weiteren Monsterfilm in der hiesigen Top Ten Videothek ausgeliehen.

Dominic Monaghan, besser bekannt als einer der beiden Nebenhobbits aus dem Herrn der Ringe (die beiden, die man eh immer verwechselt) spielt in der Grabräuberhorrorkomödie den Leichendieb Arthur Blake. Seit seiner Kindheit der Assistent von Willie Grimes (gespielt vom ziemlich unbekannten Larry Fassenden), lernt er das schmutzige Handwerk von der Pike auf. Im Gegensatz zu anderen Leichenhändlern der Zeit, wie etwa Burke & Hare, werden Blake & Grimes jedoch nie zu Mordbuben und greifen lieber zur Schaufel oder tricksen trinkende Trauergemeinschaften aus. Der Handel läuft mehr schlecht als recht, da ihr Hauptkunde Dr. Quint (Angus “Tall Man” Scrimm) verdammt knauserig ist und seinen Handlangern eher mit der Polizei droht, als sie zu bezahlen. Doch mit der Entdeckung eines speziellen Leichnams (eine am Kreuzweg vergrabene gepfählte Frau) ändert sich das Blatt. Die beiden Buddler steigen groß in das Geschäft mit den Untoten ein. Die später auftauchende Femme fatale Fanny (Brenda Cooney) stört natürlich die treue Männerfreundschaft und reizt Arthur, mit der mörderischen Murphy-Gang ein Wettrennen zu einer zombieverseuchten Insel zu starten.

Die Grundidee ist goldener Boden für eine Horrorkomödie. Das englische Leichenräuberunwesen des frühen 19. Jahrhunderts trifft Dracula und die Nacht der lebenden Leichen. Das Duo Monaghan und Fassenden sind zwei schlitzohrige Buddys mit dem Herz am rechten Fleck, die ihren ghulischen Beruf etwas tollpatschig ausüben. Der Auftritt von Scrimm als Chef der Leichenräuber ist natürlich ein Highlight – wenn auch ein recht kurzes. Als roter Faden der Handlung dient übrigens die Beichte des zum Tode verurteilten Arthurs bei Father Duffy (Ron Perlman ist lange Zeit nach seiner Rolle als Salvatore bei Im Namen der Rose mal wieder in einer Mönchskutte zu sehen).

Und dieser dünne rote Faden ist auch das einzige, was die Szenen zusammenhält. Der Zuschauer sieht zahlreiche Einzelszenen, die leider keinen zusammenhängenden Film ergeben. Regisseur Glenn McQuaid konnte aus der brillianten Grundidee und den passablen Schauspielern leider keinen Film machen, der in seiner Gesamtheit überzeugt. Ein paar Szenen sind zum Brüllen komisch, aber leider hat der Film viel zu viele mittelmäßige und sogar langweilige Momente. Für einen Videoabend mit mäßigen Erwartungen angemessen, 5 von 10 möglichen Grabsteinen.

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Wolfman

Neblige Wälder, alte Herrenhäuser und ein Heulen aus dem Moor – nicht der Hund von Baskerville, sondern der Werwolf von Blackmoor lauert im Film „Wolfman“. Ich habe ihn gesehen.

England, 1890: Der adlige Schauspieler Lawrence Talbot kehrt nach langer Zeit zurück zu seinem Familienstammsitz, Talbot Hall. Er hat sich schon vor Jahren von seinem Vater entfremdet und muss feststellen, dass sein Bruder tot ist. Zerfleischt von einer Bestie, die in den Wäldern umgeht. Nun sind Vater Talbot, dessen indischer Diener Singh und Gwen, die schöne Verlobte des Bruders die einzigen Einwohner von Talbot Hall. Lawrence will die Bestie, den Brudermörder finden und macht sich in einer Vollmondnacht auf. Als er ein Zigeunerlager im Wald besucht, überfällt die Kreatur das Lager und tötet wahllos Menschen. Das zottige Untier beißt schließlich sogar Lawrence, aber er überlebt. Gwen pflegt ihn wieder gesund. Die Dorfbewohner meiden ihn und reden von seinem Fluch. Talbot weiß, das er beim nächsten Vollmond selbst töten wird …

Eine ansehnliche Riege von Stars hat Regisseur Joe Johnston im Wolfman versammelt: Benicio del Toro als Lawrence Talbot, Anthony Hopkins als sein Vater John, Emily Blunt als Gwen, die Verlobte des Bruders. Und auch Hugo „Agent Smith“ Weaving spielt mit, in der Rolle des monsterjagenden Inspektor Abberline. Genau, Abberline, der erfolglose Jäger von Jack the Ripper, ein augenzwinkernder anachronistischer Cameo. Nicht nur gute Schauspieler, auch tolle Bilder hat der Film: Die nebligen Wälder, das heruntergekommene Herrenhaus und das viktorianische London. Der Werwolf selbst ist ein beeindruckendes Geschöpf, das nicht am Computer, sondern in der Maske hergerichtet wurde. Aber leider fehlt dem Remake vom The Wolf Man aus den Vierzigern das gewisse Etwas. Die Ursprungsstory von Curt Siodmak wurde genug verändert, um (ein wenig) zu überraschen. So sind auch die Zigeuner weniger wichtig, und die Dörfler mob-bereiter als im Original. Der Film als ganzer wirkt mehr wie eine Folge nicht nahtlos verbundener Szenen und die Beziehung der Charaktere untereinander wirkt etwas unmotiviert – was zum Teil auch an Blunts fast schon Nebenrolle liegt.Even a man who is pure in heart

and says his prayers by night

may become a wolf when the wolfbane blooms

and the autumn moon is bright.

Trotz der vorhersehbaren Handlung ist der Film ansehnlich. Jede Szene ist ein kleines Fest für die Augen, und Horrorfilmfreunde entdecken zahlreiche Anspielungen auf die Kinowerwölfe vergangener Zeiten. So ist – glaube ich zumindest – der Kutschenunfall auf einem Londoner Platz  An American Werewolf in London nachempfunden. Und der Ursprung des lykanthropischen Leidens liegt hoch im Himalya, wie im ersten Wolfmann-Film Werewolf of London von 1935. Der Bär im Zigeunerlager ist auch eine Hommage an das Original. Der Legende nach hatte der dressierte Bär solche Angst vor Ur-Wolf Lon Chaney, dass er sich unter einem Planwagen versteckt hatte. Mit dem CGI-Bären im 2010er Wolfman passiert das natürlich nicht. Einer der Höhepunkte des Films ist die Verwandlung des in einen Stuhl geschnallten Talbot vor den versammelten Londoner Irrenärzten. Allerdings frage ich mich immer, warum Werwölfe so unglaublich scharfe Krallen haben. Weder Menschen noch Wölfe haben Klauen, Wölfe haben höchstens scharfe Zähne. Nun gut, künstlerische Freiheit halt. Abschließend: Wer im Kino Blut und Gedärme verkraften kann, für den ist der Wolfman durchaus sehenswert. Sieben von 10 möglichen silbernen Kugeln. Den Bechdel-Test besteht der Film allerdings nicht.

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Neue Stimmen zu “Disturbania”

Diesmal hat Oliver Kotowski auf der Website fantasyguide* Disturbania gelesen und hier rezensiert. Der Einfachheit halber seine Meinung zu meinem Kleinod** Sendersuchlauf:

Fabian Mauruschat, Sendersuchlauf (8 S.): “So’ne miese Musik hören doch nur Verbrecher”, denkt sich der Autofahrer noch, als ihm ein ebensolcher mit einer Schrotflinte ins Gesicht schießt. Der Täter hatte denselben Sender gehört, denn er weiß, dass Menschen (sind das überhaupt Menschen?), die solche Musik hören, die übelsten Verbrecher sind. So motiviert macht er Jagd auf Übeltäter – hören sie den Sender, dann sind sie reif für die Flinte.

Diese Horrorgeschichte greift mit bitter-sarkastischem Tonfall das Thema Intoleranz und Frustration auf. Die numinose Macht rückt die Geschichte ein wenig in Richtung todorovscher Phantastik; das Augenmerk liegt dennoch auf Splatter-Effekten. Der Plotfluss ist trotz der Kürze ein wenig zu langsam.

* Laut Selbstbeschreibung ein Crossover-eZine zu den Genres Fantasy, Horror und ScienceFiction mit den Bereichen Literatur, Rollenspiel und Medien.

** Selbstüberschätzung Selbsteinschätzung des Autors.

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