Paranormal Activity

Heute läuft er in den deutschen Kinos an. Ist er wirklich so gruselig, wie alle sagen?

Micah und Katie sind ein junges Ehepaar, das gerade erst in sein schönes neues Haus eingezogen ist. Allerdings hört Katie seit einiger Zeit nachts unheimliche Geräusche. Schritte auf der Treppe, Klopfen an den Wänden und ein Atmen in der Dunkelheit. Micah, ganz der Pragmatiker, stellt eine Kamera auf, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dabei hat ein Parapsychologe die beiden davor gewarnt, jeden Kontakt mit dem nächtlichen Phänomen aufzunehmen. Je mehr Aufmerksamkeit sie dem unheimlichen Besuch widmen, desto stärker wird er. Es ist, als ob sich eine unsichtbare Schlinge um die beiden legt …

Regisseur Oren Peli legt mit seinem Erstling Beachtliches vor. Ein Low-Budget-Horror, der mit einfachen, aber subtilen Mitteln Schrecken erzeugt. Und zum Beginn funktioniert das auch recht gut. Bei der Inszenierung schaut der Kinobesucher die ganze Zeit durch Micahs Kamera, Distanz entsteht kaum. Der Zuschauer ist dabei, wenn Katie Featherston und Micah Sloat heimgesucht werden. Die Spannungsspirale steigert sich stetig.

Leider ist der Bogen irgendwann überspannt, ohne dass der Film zu einem Höhepunkt kommt. Da wäre ein früheres Ende besser gewesen. Außerdem hat der Film das typische Horrorgenreproblem: Warum hauen die beiden nicht einfach ab aus dem Haus? Zwar warnt der Geisterexperte, dass kein Flüchten vor dem Wesen möglich ist. Aber das wirkt mehr wie eine lahme Entschuldigung.

Die Geschichte vom Pärchen und dem Poltergeist spannt auf die Folter – vor allem wegen der beiden überzeugenden Darsteller. Doch es passiert einfach zu wenig. Aber Paranormal Activity kann sich trotz seines 20.000 Dollar-Budget mit großen Hollywood-Produktionen messen und kriegt 6 von 10 möglichen brennenden Ouijabrettern.

Leave a Comment

Filed under Filmrezension, Horror

I sell the dead

Nein, ich bin nicht unter die Leichenhändler gegangen oder Wurstwarenfachverkäufer geworden. Ich habe einfach nur einen weiteren Monsterfilm in der hiesigen Top Ten Videothek ausgeliehen.

Dominic Monaghan, besser bekannt als einer der beiden Nebenhobbits aus dem Herrn der Ringe (die beiden, die man eh immer verwechselt) spielt in der Grabräuberhorrorkomödie den Leichendieb Arthur Blake. Seit seiner Kindheit der Assistent von Willie Grimes (gespielt vom ziemlich unbekannten Larry Fassenden), lernt er das schmutzige Handwerk von der Pike auf. Im Gegensatz zu anderen Leichenhändlern der Zeit, wie etwa Burke & Hare, werden Blake & Grimes jedoch nie zu Mordbuben und greifen lieber zur Schaufel oder tricksen trinkende Trauergemeinschaften aus. Der Handel läuft mehr schlecht als recht, da ihr Hauptkunde Dr. Quint (Angus “Tall Man” Scrimm) verdammt knauserig ist und seinen Handlangern eher mit der Polizei droht, als sie zu bezahlen. Doch mit der Entdeckung eines speziellen Leichnams (eine am Kreuzweg vergrabene gepfählte Frau) ändert sich das Blatt. Die beiden Buddler steigen groß in das Geschäft mit den Untoten ein. Die später auftauchende Femme fatale Fanny (Brenda Cooney) stört natürlich die treue Männerfreundschaft und reizt Arthur, mit der mörderischen Murphy-Gang ein Wettrennen zu einer zombieverseuchten Insel zu starten.

Die Grundidee ist goldener Boden für eine Horrorkomödie. Das englische Leichenräuberunwesen des frühen 19. Jahrhunderts trifft Dracula und die Nacht der lebenden Leichen. Das Duo Monaghan und Fassenden sind zwei schlitzohrige Buddys mit dem Herz am rechten Fleck, die ihren ghulischen Beruf etwas tollpatschig ausüben. Der Auftritt von Scrimm als Chef der Leichenräuber ist natürlich ein Highlight – wenn auch ein recht kurzes. Als roter Faden der Handlung dient übrigens die Beichte des zum Tode verurteilten Arthurs bei Father Duffy (Ron Perlman ist lange Zeit nach seiner Rolle als Salvatore bei Im Namen der Rose mal wieder in einer Mönchskutte zu sehen).

Und dieser dünne rote Faden ist auch das einzige, was die Szenen zusammenhält. Der Zuschauer sieht zahlreiche Einzelszenen, die leider keinen zusammenhängenden Film ergeben. Regisseur Glenn McQuaid konnte aus der brillianten Grundidee und den passablen Schauspielern leider keinen Film machen, der in seiner Gesamtheit überzeugt. Ein paar Szenen sind zum Brüllen komisch, aber leider hat der Film viel zu viele mittelmäßige und sogar langweilige Momente. Für einen Videoabend mit mäßigen Erwartungen angemessen, 5 von 10 möglichen Grabsteinen.

Leave a Comment

Filed under Filmrezension, Horror

Wolfman

Neblige Wälder, alte Herrenhäuser und ein Heulen aus dem Moor – nicht der Hund von Baskerville, sondern der Werwolf von Blackmoor lauert im Film „Wolfman“. Ich habe ihn gesehen.

England, 1890: Der adlige Schauspieler Lawrence Talbot kehrt nach langer Zeit zurück zu seinem Familienstammsitz, Talbot Hall. Er hat sich schon vor Jahren von seinem Vater entfremdet und muss feststellen, dass sein Bruder tot ist. Zerfleischt von einer Bestie, die in den Wäldern umgeht. Nun sind Vater Talbot, dessen indischer Diener Singh und Gwen, die schöne Verlobte des Bruders die einzigen Einwohner von Talbot Hall. Lawrence will die Bestie, den Brudermörder finden und macht sich in einer Vollmondnacht auf. Als er ein Zigeunerlager im Wald besucht, überfällt die Kreatur das Lager und tötet wahllos Menschen. Das zottige Untier beißt schließlich sogar Lawrence, aber er überlebt. Gwen pflegt ihn wieder gesund. Die Dorfbewohner meiden ihn und reden von seinem Fluch. Talbot weiß, das er beim nächsten Vollmond selbst töten wird …

Eine ansehnliche Riege von Stars hat Regisseur Joe Johnston im Wolfman versammelt: Benicio del Toro als Lawrence Talbot, Anthony Hopkins als sein Vater John, Emily Blunt als Gwen, die Verlobte des Bruders. Und auch Hugo „Agent Smith“ Weaving spielt mit, in der Rolle des monsterjagenden Inspektor Abberline. Genau, Abberline, der erfolglose Jäger von Jack the Ripper, ein augenzwinkernder anachronistischer Cameo. Nicht nur gute Schauspieler, auch tolle Bilder hat der Film: Die nebligen Wälder, das heruntergekommene Herrenhaus und das viktorianische London. Der Werwolf selbst ist ein beeindruckendes Geschöpf, das nicht am Computer, sondern in der Maske hergerichtet wurde. Aber leider fehlt dem Remake vom The Wolf Man aus den Vierzigern das gewisse Etwas. Die Ursprungsstory von Curt Siodmak wurde genug verändert, um (ein wenig) zu überraschen. So sind auch die Zigeuner weniger wichtig, und die Dörfler mob-bereiter als im Original. Der Film als ganzer wirkt mehr wie eine Folge nicht nahtlos verbundener Szenen und die Beziehung der Charaktere untereinander wirkt etwas unmotiviert – was zum Teil auch an Blunts fast schon Nebenrolle liegt.Even a man who is pure in heart

and says his prayers by night

may become a wolf when the wolfbane blooms

and the autumn moon is bright.

Trotz der vorhersehbaren Handlung ist der Film ansehnlich. Jede Szene ist ein kleines Fest für die Augen, und Horrorfilmfreunde entdecken zahlreiche Anspielungen auf die Kinowerwölfe vergangener Zeiten. So ist – glaube ich zumindest – der Kutschenunfall auf einem Londoner Platz  An American Werewolf in London nachempfunden. Und der Ursprung des lykanthropischen Leidens liegt hoch im Himalya, wie im ersten Wolfmann-Film Werewolf of London von 1935. Der Bär im Zigeunerlager ist auch eine Hommage an das Original. Der Legende nach hatte der dressierte Bär solche Angst vor Ur-Wolf Lon Chaney, dass er sich unter einem Planwagen versteckt hatte. Mit dem CGI-Bären im 2010er Wolfman passiert das natürlich nicht. Einer der Höhepunkte des Films ist die Verwandlung des in einen Stuhl geschnallten Talbot vor den versammelten Londoner Irrenärzten. Allerdings frage ich mich immer, warum Werwölfe so unglaublich scharfe Krallen haben. Weder Menschen noch Wölfe haben Klauen, Wölfe haben höchstens scharfe Zähne. Nun gut, künstlerische Freiheit halt. Abschließend: Wer im Kino Blut und Gedärme verkraften kann, für den ist der Wolfman durchaus sehenswert. Sieben von 10 möglichen silbernen Kugeln. Den Bechdel-Test besteht der Film allerdings nicht.

Leave a Comment

Filed under Filmrezension

Neue Stimmen zu “Disturbania”

Diesmal hat Oliver Kotowski auf der Website fantasyguide* Disturbania gelesen und hier rezensiert. Der Einfachheit halber seine Meinung zu meinem Kleinod** Sendersuchlauf:

Fabian Mauruschat, Sendersuchlauf (8 S.): “So’ne miese Musik hören doch nur Verbrecher”, denkt sich der Autofahrer noch, als ihm ein ebensolcher mit einer Schrotflinte ins Gesicht schießt. Der Täter hatte denselben Sender gehört, denn er weiß, dass Menschen (sind das überhaupt Menschen?), die solche Musik hören, die übelsten Verbrecher sind. So motiviert macht er Jagd auf Übeltäter – hören sie den Sender, dann sind sie reif für die Flinte.

Diese Horrorgeschichte greift mit bitter-sarkastischem Tonfall das Thema Intoleranz und Frustration auf. Die numinose Macht rückt die Geschichte ein wenig in Richtung todorovscher Phantastik; das Augenmerk liegt dennoch auf Splatter-Effekten. Der Plotfluss ist trotz der Kürze ein wenig zu langsam.

* Laut Selbstbeschreibung ein Crossover-eZine zu den Genres Fantasy, Horror und ScienceFiction mit den Bereichen Literatur, Rollenspiel und Medien.

** Selbstüberschätzung Selbsteinschätzung des Autors.

Leave a Comment

Filed under Literatur, Rezensionen

Spielerezis voraus!

Mein Briefkasten quillt über. Nicht der virtuelle mit zahlreichen, verlockenden Spam-Angeboten aus Nigeria und dem Land der Penisverlängerer, sondern der reale. Der Pegasus-Verlag hat mich mannigfaltig mit Rezensionsexemplaren versorgt. Im Juni gibt es also Infos zu Munchkin Zombies, Pocket-Battles: Kelten vs. Römer, Firenze und Perdors Untergang. Wie immer auf fischpott.

Das Line-Up

Leave a Comment

Filed under Rezensionen

Ich hab Worte VIII: prokrasti… essen

Die folgende Neuwort-Möglichkeit habe ich übersetzt/abgeschrieben von Urban Dictionary. Dort ist das schöne Wort ProcrastinEating zu finden: Prokrastination durch Essen.

Die Situation dürfte bekannt sein. Anstatt wichtige Hausarbeiten, Bewerbungen oder andere anstehende Tätigkeiten zuerledigen, kocht der Prokrastinator erstmal was schönes. Und schiebt durch Essen alles hinaus. Mit “Glück” ist der oder die Prokastinatorin dann zu voll, um mehr zu tun als verdauen. Als deutsche Entsprechung fallen mir allerdings gleich zwei mögliche Worte ein: Prokrasdinieren und Profraßtinantion.

Leave a Comment

Filed under Wortspinnerei

Ich hab Worte: Schwunbehagen

Kein Fall von Schwunbehagen

Das diffuse Gefühl eines aufgeklärten, nicht-homosexuellen Mannes, das Gegenüber halte einen selbst für homosexuell. Meistens nach einer missverständlichen Äußerung. Aufgrund der immer-noch Tabuisierung von Homosexualität auch nicht Nicht-Homophobiker leicht unangenehm. Die oder der andere könnte vielleicht seltsam reagieren. Oder man sieht romantische Absichten gegenüber seiner Gesprächspartnerin vereitelt. Warum auch immer, der Schwunbehagen verspürende will die Lage aufklären.
Das Dilemma ist aber folgendermaßen: Urplötzlich zu sagen: „Ich bin gar nicht schwul!“ klingt nach homophobem Tourette. Man will weder ein sexistisches „Ich hasse die Homos auch, Kamerad.“ noch ein „Ich aber. Hast Du ein Problem damit?“ als Antwort riskieren. Im weiteren Verlauf versucht man dann, die Konversation in eine heteronormative Richtung zu lenken. Oder beiläufig die eigene Ex-Freundin zu erwähnen. Was natürlich auch nichts beweist.
Schwunbehagen gibt es natürlich auch als Lesbunbehagen, Hetunbehagen und Biunbehagen.

„Und dann hab ich der Barkeeperin gesagt, dass der diesjährige CSD viel besser als der vom letzten Jahr war.“  „Wolltest Du sie nicht nach ihrer Telefonnummer fragen?“  „Ja, aber die nächste halbe Stunde hab ich voller Schwunbehagen immer wieder über Fußball geredet.“  „Und dann sie hat dich gefragt, welchen Typ aus der Nationalmannschaft Du am heißesten findest, hab ich recht?“  „Cacau. Aber auf eine total heteronormative Weise!“

Leave a Comment

Filed under Wortspinnerei

Ich hab mehr Worte …

Ein kurzes Poutpourrie aus den Neologismen der Woche. Den Auftakt macht eine Redewendung aus dem tiefsten Onliner-Herzen:

Auf dem Papierweg sein

Verbreitet unter Print-Journalisten und anderen Vertretern etablierter Medien. Wer auf dem Papierweg ist, druckt nicht nur E-Mails aus, sondern sieht auch in der ganzen Onlinerei nur eine vorübergehende Modeerscheinung.

Hörzension

Die Rezension eines Hörbuch, Hörspiels oder eines anderen akustischen Kunsterzeugnisses. Zum Beispiel gerade aktuell auf Fischpott.

Der Neologismus der Woche kommt allerdings von der Titanic und beschreibt Äußerungen von Charlotte Roche:

Rammelgestammel

Leave a Comment

Filed under Wortspinnerei

Zesenfilmtitel

Dörrleichenverkleidung, selbstgemacht

Wir haben Philipp von Zesen viel zu verdanken. Zum Beispiel das Weltall, den Kreislauf und die Leidenschaft. Der Dichter mit dem Pseudonym Ritterhold von Blauen war ein großer Freund der Verdeutschungen und hat jede Menge Fremdwörter in unsere Muttersprache übertragen. Darunter, wie eben zu lesen war, das Universum, die Zirkulation und die Passion. Andere Zesen-Vorschläge haben es leider (?) nicht ins Umgangssprachliche geschafft, wodurch uns zahlreiche wunderschöne Filmtitel entgangen sind, unter anderem »Tee im Weiberhof des Archimedes« oder »Die Lusthöhle der vergessenen Leichen«. Das ist sehr schade, deswegen fordere ich mehr Zesenfilmtitel:

Der Mann mit dem goldenen Meuchelpuffer – der verdeutschte Produzent wäre übrigens Albert R. Bröckelkohl*.

Die Dörrleiche kehrt zurück – die Fortsetzung der erfolgreichen Neumachung* »Die Dörrleiche«

Der Leuthold – mit Mel Gibson, von Roland Emmerich

Der Tageleuchter zum Hof – Regie: Alfred Ruckhahn*

Die Erzmutter – die Verfilmung der Legende vom weiblichen Erzvater, mit Johanna Wokalek

Der blitzfeuererregte Reiter – Regie: Sydney Pollack

Der Klägler – Drama mit Attila Hörbiger

Lustkind auf vier Pfoten – Direct-to-DVD-Komödie von 2012, Untergenre ‚Lustige Hundefilme‘

Entgliederei – Schauderstreifen* von 2000, mit Franka Kraftvolle*

Tod (oder Mord) im Jungfernzwinger – Kriminalfälle im Jungfernzwinger sind seit Ecos »Der Name der Hageblüte*« sehr beliebt.

Mit neuen Zesenismen für moderne Dinge kann die Liste endlos fortgeführt werden. Sie sollte bei Filmen nicht enden, ein schöner Buchtitel aus Zesens Welt wäre »Spitzgebäude – ein Roman von der bizarren Scheibenwelt«. Bücher und Filme sind nur die Spitze des potentiellen Zesentitel-Eisbergs. Der King of Germanisation hätte sicher auch vor Punkbands nicht halt gemacht und »Schlechtes Gottestum« verdeutscht. Mehr als Strolchtonkunst* hätte dem Hofpfalzgrafen Zesen sicher ein Slogan gefallen, der oft Rosseau zugeschrieben wird und der sich bei der Umweltbewegung großer Beliebtheit erfreut hat: „Zurück zur Zeugemutter!“ Ich schließe mit „Mehr Zesenismen!“

*keine Originale sondern Neozesenismen

Leave a Comment

Filed under Wortspinnerei

Einfach Märchenhaft

… “Die Vorlesung” auf CT das radio. Seit über einem Jahr präsentiert mein liebster studentischer Sender mitternächtlich vorgelesene Geschichten. Immer von Sonntag bis Mittwoch. Meistens handelt es sich dabei um Märchen, manchmal werden auch andere, eher gruselige Storys, die von den Redaktionsmitgliedern vorgelesen. Unter anderem auch von mir.

Und seit ein paar Wochen wird nicht nur vorgelesen, sondern regelrechte Hörspielmärchen zusammengebaut. Unser neuestes Projekt heißt “Am Wegesrand” und ist ein Märchen aus Turkestan. Neugierig? Dann holt’s euch runter, und zwar hier.

Leave a Comment

Filed under Hörfunk, Literatur