The Signal

Und wieder ein neuer Eintrag in der epochalen Reihe Monsterfilmkritiken … obwohl – geht es in The Signal überhaupt um Monster? Der Film beginnt mit einem merkwürdigen Störsignal, das von Fernsehern, Handys und anderen elektronischen Geräten ausgestrahlt wird. Mya kommt gerade von einem Schäferstündchen mit ihrem Geliebten Ben zurück und muss miterleben, wie die Menschen um sie herum (auch ihr eigener Mann) immer seltsamer werden. Paranoia, Schizophrenie und schließlich mörderischer Wahnsinn greifen um sich. Innerhalb weniger Stunden greifen Leute zu Baseballschlägern, Heckenscheren und Akkuschraubern (!!!), um ihren Nächsten das Lebenslicht auszublasen. Der erste Teil (Regie David Bruckner) führt uns in diese mörderische Apokalypse, in der der Mensch des Menschen Wolf ist. Im zweiten Teil (Regie Dan Bush) wird man Zeuge einer blutigen Sylvesterparty, auf der Myas Mann Lewis auftaucht. Im dritten Teil (Jacob Gentry) kommt es zur Flucht von der “Party”  zum Terminal 13, an dem Mya auf Ben warten wollte. Alle Teile sind blutig, beklemmend und – brilliant.

Im Gegensatz zum klassischen Zombiefilm, bei dem der Überlebenskampf normaler Menschen gegen die unzähligen Untoten thematisiert wird, wird bei The Signal immer unklarer, wer einer von “ihnen” ist und wer nicht. In einigen Szenen sieht man die Halluzinationen der “Crazies” als normale Teile der Filmhandlung, so dass die Paranoia auch den Zuschauer packt. Wer ist normal? Ist wer normal? Zu packender Story und guter Regie kommen noch (allesamt unbekannte) Schauspieler, die ihre Rollen verdammt glaubwürdig rüberbringen.

The Signal hat alles, was einen guten Horrorfilm ausmacht – und dann noch das Quentchen mehr, das den Schrecken direkt ins Kleinhirn transferiert. Und auch, wenn die Grundidee aus Stephen KingsPuls” (Originaltitel “Cell”) bekannt vorkommt, machen Bruckner, Bush und Gentry mehr aus der Story als der Horrorkönig. Wo King die allseits bekannte Zombie-Survival-Story (eine Notgemeinschaft gegen die Zombies/Phonecrazies gegen die anderen Überlebenden) schildert, haut The Signal dem Zuschauer noch einmal die volle Kelle Paranoia um die Ohren: Wo fängt der Wahnsinn an? Was kommt nach dem Wahnsinn? Und: Kann Enthauptung noch Selbstverteidigung sein?

Apropos Enthauptung, der Film ist stellenweise extrem brutal und blutig, so dass ihn Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit Herzschwäche … ähm … niemand mit einer Abneigung gegen literweise Kunstblut und abgetrennte Gliedmaßen sehen sollte. Stellenweise merkt man The Signal auch das schmale Budget an, etwa wenn Außenszenen immer nur in kleinen Straßen spielen oder komplett in Halbtotale gefilmt sind. Abgesperrte Straßenzüge wie bei 28 Days Later wären aber wahrscheinlich auch zu viel erwartet. Und da ist noch der Anfang! The Signal beginnt mit zwei Minuten aus dem Kurzfilm The Hap Hapgood Story von Jacob Gentry. Das ganze sieht aus wie ein billiger Siebziger-Jahre-Slasher und ist extrem irritierend. Fast hätte es mich davon abgehalten, den Film zu sehen. Meine Empfehlung: Fast Forward, und durch!

Fazit: Nur wenige Mankos an einer ansonsten fast makelosen kleinen blutigen Horrorperle, 9 von 10 bluttriefenden Mordwerkzeugen.

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Filed under Filmrezension, Horror

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